Vatertyp 3: Der Daddy
Einen Daddy als Vater zu haben kann insbesondere einer Tochter zuweilen das Gefühl vermitteln, sich in einer amerikanischen Seifenoper zu befinden. Er verkörpert eine interessante Mischung aus beruflich bedingter Mangelpräsenz in der Familie bei gleichzeitiger Vergötterung derselben; kurz gesagt, weil er zu wenig Zeit für seine Familie hat, hätte er gerne ein perfektes Zuhause, in dem es keine Probleme gibt. Dabei ist er durchaus bereit, seinen Beitrag in der Familie zu leisten; er ist ein typischer Vater, der seine mangelnde Zeit durch finanzielle Zuwendungen kompensiert. Man könnte meinen, dass ein Daddy ein glücklicher Mensch wäre, wenn er genug Geld hätte, um nicht mehr arbeiten zu müssen – das trifft aber in der Tat nicht zu.
Seine Arbeit ist nicht nur ein notwendiges Übel für ihn; er definiert sich über seinen Erfolg und sein Einkommen viel zu sehr, als dass er dafür weniger Arbeit leisten wollen würde (oder gar darauf verzichten). Umgekehrt wäre er nicht nur beruflich unzufrieden, wenn er weniger Arbeit hätte. Die nötige Arbeit, die in der Familie anfällt, ist er meist nicht zu leisten bereit, und wenn er es tut, dann auf genau die Weise, wie es seinen Vorstellungen entspricht.
Und „Daddy“ hat sehr explizite Vorstellungen über das, was man tun sollte und was man lassen sollte und auch über die Art und Weise, wie ein Vater sich zu verhalten hat. Er tritt auch in der Familie selbstsicher und autoritär auf. Probleme, die seine Tochter beispielsweise im Teenageralter mit „Jungs“ hat, wird er stets auf die gleiche Art beenden: „Der ist doch ohnehin nicht gut genug für dich.“ (dass nach seiner Ansicht überhaupt niemals einer gut genug für sie sein könnte, sei mal hintenan gestellt); seinem Sohn wird er gerne mit Hilfe zur Seite stehen, wenn dieser Übung oder Schulung in einer „männlichen“ Tätigkeit braucht („Ich wird dir schon zeigen, wie du diesen Typen eine verpasst, von der sie dich in Ruhe lassen!“); will der Junge allerdings ins Ballett oder Flötenunterricht nehmen, so hat er beim Daddy schlechte Karten.
Der Vater lebt in einer eng abgesteckten Welt, in der noch immer der Vater für die finanzielle Versorgung der Familie verantwortlich ist, während die Frau höchstens zur „Selbstverwirklichung“ ihrer Tätigkeit nachgeht; diese Rollen wünscht er nach Möglichkeit auch auf seine Kinder zu übertragen.
Für die Dinge, die er seiner Familie „ermöglicht“ (nämlich durch seinen finanziellen Einsatz) erwartet er auch gewisse Vorrechte, die er zwar nicht ausnutzen würde, deren Fehlen er aber durchaus auf unangenehme Weise sanktionieren würde.
Bei diesem Vatertyp handelt es sich um einen relativ sympathischen Patriarchen, mit dem man gut auskommen kann, wenn man seine Regeln einhält; seine Fähigkeit, sich den Regeln anderer Menschen anzupassen ist allerdings mehr als mangelhaft.
- Zitat: „Jetzt lass mal, ich werd´ das schon regeln. So geht´s ja nicht.“
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