Entwicklung Kind
14. September, 2007 von Moderator
Der neunte Lebensmonat
Die meisten Entwicklungen gehen auch in diesem Monat kontinuierlich weiter, auch wenn große Entwicklungssprünge in vielen Beziehung ausbleiben. Ein wichtiger Schritt für das Kind ist es allerdings, wenn es auf spezielle Art seine Eltern anzulächeln beginnt – früher war dieses Lächeln scheinbar ungezielt und galt jedem Menschen, der dem Kind freundlich gegenübertrat, während nun eine Trennung zwischen bekannt und unbekannt in den Vordergrund tritt.
Natürlich beherrschte das Kind auch schon vorher eine grundsätzliche Trennung zwischen seinen Eltern und fremden Menschen, doch war ihm scheinbar weniger bewusst, dass es meist zwei Menschen gibt, die ihm besondere Aufmerksamkeit und Sicherheit vermitteln und auf die es sich normalerweise völlig verlassen kann – seine Eltern.Diese „Erkenntnis“ (man kann natürlich nicht sicher sagen, was im Kopf eines Kindes in dieser Zeit vorgeht) kann sich eventuell im „Fremdeln“ ausdrücken.
Fremdeln ist eine instinktive Reaktion, die aus der Trennung zwischen Fremd und Bekannt entsteht, die sich aber auf viele verschiedene Arten ausdrücken kann. Man weiß nicht genau, durch welche Faktoren Fremdeln beeinflusst wird und kann daher auch nicht sagen, ob dieses Verhalten ein individueller Zug des Babys ist oder ob er irgendwie durch das Verhalten der Eltern (oder der Fremden) geprägt wird.Sicher ist jedenfalls, dass manche Kinder fast gar nicht fremdeln, während andere ihre vorübergehende Abneigung gegen Fremde durch Weinen oder Klammern an Mutter und Vater ausdrücken.
Andere Kinder sind auch beim Fremdeln selektiver und verhalten sich manchen Menschen gegenüber aufgeschlossen, aber misstrauisch, während sie andere deutlich ablehnen. Im Laufe der nächsten Monate wird sich dieses Verhalten allerdings nach und nach verlieren, da die kindliche Neugier Menschen gegenüber immer wichtiger wird. Wichtig ist beim Fremdeln vor allem, dass die Eltern sich bewusst sein, dass sie nicht zu stark auf diese Entwicklung reagieren sollten.
Einerseits ist es falsch, das Kind nun von allen Menschen fernzuhalten, um es zu schützen (dies verzögert die Gewöhnung), andererseits sollte man die Wünsche des Kindes aber respektieren und es gerade in der Fremdelphase nicht dazu, Liebesbezeugungen von Verwandten oder Fremden über sich ergehen zu lassen, wenn das Verhalten des Kindes deutlich macht, dass es dies nicht wünscht.
Auch wenn fremde Menschen in dieser Zeit eventuell als Bedrohung empfunden werden, erweitert sich der Aktionsspielraum des Kindes dennoch ständig. Fremdelnde Kinder sind zu Hause, wenn die Eltern in der Nähe sind, dennoch zuversichtlich genug, als dass die Räume, die sie noch nicht kennen, oder die Welt außerhalb des Heims gerne kennen lernen wollen (am besten auf eigenen Beinen, nämlich krabbelnd). Wenn das Kind sitzt, freut es sich, aus dieser Position einen ganz neuen Überblick gewinnen zu können. Die Erkundung der Welt findet einen neuen Höhepunkt durch den vielfältigen Einsatz des Mundes als Wahrnehmungsorgan – noch immer vertraut das Baby diesem Sinnesorgan mehr als seinen Augen.
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