Ernährung Familie
16. September, 2007 von Moderator
Muttertyp Nummer 1: Die Werbemutter
Bei der Werbemutter handelt es sich nicht etwa um eine Mutter, deren beruflicher Hintergrund in der Werbebranche zu suchen ist – die Frau aus der Werbung versucht stattdessen möglichst genau, das Lebenskonzept und die Ansprüche der Werbemütter im Fernsehen zu kopieren und zu perfektionieren.Mütter, die in diese Kategorie fallen, gibt es bereits seit einigen Jahrzehnten; ihnen ist vor allem gemein, dass sie einer starken modischen Abhängigkeit unterliegen, die sich nach der aktuellen Meinungslage der Werbung richtet (welche ja selbst nach Möglichkeit auf den Zeitgeist ausgerichtet ist).
Für die Frau aus der Werbung von heute bedeutet dies eine Reihe von Maximen, die sie eifrig verfolgt. Eine der wichtigsten ist es, ihren Mann mit einem milden Lächeln ebenso bei ihren Kindern einzuordnen wie jedes Kind, welches wirklich leiblich zu ihr gehört; kleine Flecken nimmt sie mit einer Geduld ebenso hin wie streifige oder bepatschte Fenster oder die Weigerung, den Abwasch zu machen.Allerdings ist sie nicht mehr so sehr auf die Reinigung ihrer Wohnung oder ihres Hauses fixiert – dazu gibt es ja praktische Geräte, die einem die Arbeit erleichtern können – sondern steckt ihre Leidenschaft vielmehr in die „Gesundheit ihrer Familie“.
Weil ihr diese Gesundheit am Herzen liegt, wartet jeden Morgen am Frühstückstisch ein echtes Verteidigungsarsenal, mit welchem sie eisern gegen die angreifenden Keime und Bakterien vorgeht: Joghurt mit rechtsdrehenden Milchsäuren und abgerichteten Spezialbakterien, Orangensaft mit Kalzium- und Vitamin C-Zusatz, Kiwis, Gesundheitsdrinks mit Lactobazillen und All-in-One-Vitaminpräparate. Das Frühstück selbst besteht aus Cerealien, am besten mit Obstzusatz (sehr gesund), Milch oder einem geeigneten Ersatzprodukt (als da wären: Kakao, Fruchtquark, Schokoladenpudding oder auch Milchschokolade – hauptsache, dass Produkt hat schon einmal eine Flasche Milch gesehen) sowie aus Vollkornbrot oder einem geeigneten Ersatzprodukt (zum Beispiel Vollkorntoast).
Ist das Frühstück beendet widmet sie sich dennoch mit einigem Eifer der Reinigung des Hausstandes. Allerdings hat sie es dabei weniger auf den Dreck abgesehen als ihre Vorgängerin vor dreißig Jahren, sondern vielmehr auf Kleinstlebewesen, Bakterien und andere schädliche Untermieter, denen sie mit der antibakteriellen Pistole zu Leibe rückt. Für das Bad steht ihr ein antibakterieller Reiniger zur Verfügung, während sie das Wasser für ihr zwei Jahre altes Kind sicherheitshalber noch immer abkocht („Schaden kann es ja nicht“); der Küche wird ebenfalls mit Spezialreiniger zu Leibe gerückt. Wenigstens einmal die Woche werden auch ihre Kinder einer Ganzkörperdesinfektion unterzogen, die sie meistens heulend und mit brennenden Schleimhäuten über sich ergehen lassen, doch die Werbemutter ist eisern – schließlich liegt ihr die Gesundheit ihrer Familie am Herzen.
Aus diesem Grund gibt es auch nur Naschereien für Kinder, die mit Vitaminen angereichert sind – schließlich sind diese ja so gesund.
Am Herzen liegt ihr auch ihre weiße Wäsche (dies ist eine Werbeidee, die sich noch immer nicht abgenutzt hat). Gerne verwendet sie hierfür ein Waschmittel mit UV-Schutz oder mit spezieller antibakterieller Wirkung.Im Familienleben kann man ihr die Angewohnheit, ihre Mitbewohner als „lästige Schmutzpartikel“ zu betrachten, nicht ganz absprechen. Allerdings ist der Grund, aus dem ihre perfekte saubere Welt in Gefahr ist heute die Gesundheit und nicht mehr der Schmutz, der es früher war.
- Zitat: „Ich achte sehr auf die Gesundheit meiner Familie.“
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