Gute Mutter
13. September, 2007 von Moderator
Die “gute” Mutter
Diese seltsame Entwicklung steht in enger Verbindung mit einer interessanten Sprachentwicklung. Wo man früher dem Begriff der „Mutter“ die „gute Mutter“ gegenüberstellte (wobei „gut“ sich auf eine Frau bezog, die die kulturellen Vorstellungen besonders gut erfüllte), verwendet man diese Begriffe heute beinahe synonym. Es ist altmodisch, mit einem so moralischen Konzept wie der „guten Mutter“ aufzuwarten, denkt man, und so wie ein Kind nicht mehr „böse“ ist, wenn es nicht hört, ist auch die Mutter nicht mehr „gut“, wenn sie hört.
Dennoch – und das ist der wichtigste Punkt der moralischen Komponente – sind die Vorstellungen über die „gute Mutter“ heute noch ebenso vorhanden wie zu einer Zeit, als der Begriff noch verbreitet war – mit dem Unterschied, dass das Attribut „gut“ heute einfach in die Mutter eingeschlossen wird.Es ist sicher lobenswert, diesem ältesten und wichtigsten Beruf der Welt eine solche Zuschreibung zukommen zu lassen; doch leider funktioniert dies nicht so, wie man es meinen sollte.
Die enge Verbindung von „Mutter“ und „gut“ führt bei vielen Müttern eher zu dem Gefühl, niemals etwas gut genug machen zu können, wenn sie nicht alles „richtig“ machen. Könnte es nicht sein, dass eine andere Frau sich mehr aufopfert, mehr für ihre Kinder tut, weniger schläft, hingebungsvoller ist und ihr Kind noch glücklicher macht? Könnte das nicht sein? Und wenn es so wäre, müsste man dann selbst nicht dazu bereit sein, auch mehr zu tun – schließlich ist man ja eine Mutter, und eine Mutter ist „gut“.
So klafft die Schere an dieser Stelle gewaltig auf. Liest man nicht in jedem Ratgeber, Mütter müssten auch Zeit für sich haben und das Kind guten Gewissens einmal ihrem Mann geben können? Sie dürfen nicht nur, sie sollten sogar etwas für sich tun.
Demgegenüber stehen die unsichtbaren Ansprüche, eben doch nicht etwas für sich tun zu dürfen, weil man vielleicht nicht genug für sein Kind getan hat. Und sogar dann, wenn man sich seinem Kind gegenüber immer nach dem Gefühl verhält, könnte es ja sein, dass das Gefühl für das Kind einfach nicht ausreicht. Man wäre dann – eine schlechte Mutter.
Die moralische Komponente von Erziehung und Elternsein ist in der Tat eine sehr wichtige. Man darf nicht vergessen, dass es Menschen gibt, die pflichtvergessen genug sind, für ihre Kinder nicht einmal das nötigste zu tun und sie verwahrlosen zu lassen. Man darf solchen Menschen sicher keine Freifahrkarte geben, einfach zu machen, was sie wollen – ein Unterfangen, wofür die moralischen Ansprüche sich ganz vortrefflich eignen.
Allerdings sollte man nicht vergessen, dass auch Mütter, die mit ernsthaften Ambitionen an ihre Tätigkeit herangehen, so immer von einem Anspruch getroffen werden, der eigentlich für sie gar nicht bestimmt ist – denn schließlich hat in Bezug auf die Pflege eines Kindes die allgemeingültige „gute Mutter“ ebensowenig die letzte Weisheit wie ein Arzt oder ein Säuglingspfleger, da Kinder individuell verschieden sind und es teilweise mehr als nur Sorgfalt erfordert, die Anforderungen seines Kindes überhaupt zu verstehen.
1 Kommentar zu “Gute Mutter”
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Ich glaube Mutter sein ist der härteste Job der Welt. Vorallem wenn mans immer richtig machen will. Denn auch wenn man weiss das einigen Dingen Falsch sind, gibt es keine wirkliche Definition von dem was RICHTIG ist, wenn es darum geht Kinder zu erziehen. Jeder sagt einem was anderes und jede andere Mutter scheint es besser zu wissen.