Mutter Beruf
9. September, 2007 von Moderator
Zur „Ehrenrettung“ der Mutter Teil 1
Es gab Zeiten, da war eine Frau als Mutter sehr hoch angesehen. Natürlich wurde ihr Status über den Beruf des Mannes determiniert, doch das Ansehen, welches sie selbst erreichen konnte, war ihr über den Beruf der Mutter zugänglich (wobei man damals die Bezeichnung „Beruf“ für eine Mutter wahrscheinlich absurd fand).Das war zwar sicher nicht die „gute alte“ Zeit, weil der Mann ihr damals den Job kündigen und sie häuslich sexuell bedrängen durfte, ohne sich sorgen machen zu müssen; dennoch erscheint es vielen Müttern vielleicht angenehm, wenn sie sich die schönen Seiten einer solchen Rolle vorstellen.
Eine solche Vorstellung ist ja auch wirklich keine realitätsferne Träumerei – man sollte ja eigentlich denken, dass für uns Menschen als „Säugetiere“ die Aufzucht und Pflege der Jungen eine wichtige (und daher in unserem Sozialkonstrukt angesehene) Tätigkeit ist.
In der Tat trifft dies aber in der Postmoderne nicht mehr besonders zu. Mutter wird man, wenn man ein Kind bekommt; die Aufgaben, die man als Mutter übernimmt, sind zwar wichtig (da man so moralisch erfüllen muss), gewinnen kann man damit allerdings nichts.
Im Prinzip handelt es sich beim Beruf der Mutter um einen schlechtbezahlten Job ohne Aufstiegsmöglichkeiten – kein Wunder, dass viele Mütter kündigen und sich doch lieber einen anderen Job suchen. Der andere Job führt sie dann zurück ins Büro oder an einen sonstigen Arbeitsplatz, wo ihre Leistung anerkannt wird und wo ihre Arbeit nicht nur mit einer Negativliste betrachtet wird.
Dieser Schritt ist sehr verständlich, und sicher gibt es eine Menge Frauen, die eigentlich nicht besonders als Mutter geeignet sind und die sich wohler fühlen, wenn sie eine andere Aufgabe ausführen. Biologisch bedingt ist natürlich eine gewisse Zeit des intensiven Kontakts mit dem Kind, doch muss eine Frau ja nicht ob ihrer Gebärfähigkeit später noch dazu verpflichtet sein, zu Hause zu bleiben und die Kinder zu versorgen.
Dennoch gibt es auch Frauen, die sich ein solches Leben wünschen, und die die Erziehung ihrer Kinder als wichtiger beurteilen als ihre persönliche Karriere. Man sollte meinen, dass die heutige Wahlfreiheit da der weiblichen Bevölkerung gerade recht kommen müsste – schließlich wird man genausowenig in der Küche eingesperrt wie im Büro und kann sich das Lebenskonzept seiner Wahl aussuchen. Die Befreiung der Frauen aus der klassischen Rolle hat allerdings dazu geführt, dass Frauen, die sich heute noch für die Arbeit als Hausfrau und Mutter entscheiden oft ein seltsames Bild von sich selbst entwickeln. Zwei Generationen von Frauen haben dafür gekämpft, nicht mehr zu Hause bleiben zu müssen und sich in der Arbeitswelt selbst verwirklichen zu können, und was macht man selbst?
Es ist jedoch nicht nur das Gefühl einer inneren Verpflichtung, es ist vor allem auch die Einstellung weiter Teile der Gesellschaft zu diesem Thema. Es ist schon beinahe sprichwörtlich, dass eine Frau, die sich für die Arbeit als Mutter entscheidet, doch nur ein „Heimchen am Herd“ ist und dass sie von ihrem sozialen Status her nun nicht mehr nur ihrem Mann untergeordnet ist, sondern auch den arbeitenden „Mitfrauen“. Es wird sogar die Ansicht vertreten, dass „Vollzeit-Mütter“ ihren Kindern mehr schaden als dass sie Gutes tun, und Problem, welches mit professioneller Ganztagsbetreuung ab einem möglichst jungen Alter behoben werden könnte.
Wie soll sich eine Frau in dieser Situation da fühlen? Ein wenig dumm (vielleicht ist sie ja doch zuhause geblieben, weil sie sonst nichts geschafft hat), ein wenig Anhängsel ihres Mannes und schließlich eben ein Mensch, der auf dem Arbeitsmarkt nicht hätte bestehen können. Und zu allem Überfluss tut sie nun auch nichts anderes, als ihren armen Kindern mit ihrer Fürsorge Schaden zuzufügen.
Dabei müsste es doch eigentlich gar nicht so sein. Dass an der oben verfolgten Polemik irgend etwas faul ist, dürfte wohl den meisten Lesern nicht entgangen sein. Genau dieser oben beschriebene Zustand ist es nämlich, der die Ehre der Mütter überhaupt erst dazu gebracht hat, dass sie „gerettet“ werden muss.Sicher, die erreichte Emanzipation ist eine großartige Sache, und hätte die Frauenbewegung nicht in der Art stattgefunden, wie sie es hat, würden viele Männer sicher noch heute so repressiv mit ihren Frauen umgehen, wie es früher der Fall war. Wahrscheinlich war der Umweg über die Arbeitswelt nötig, um zu zeigen, dass Frauen nicht nur bestehen, sondern sogar hervorragende Arbeit leisten können.
Daher kann man es auch nur begrüßen, dass heute die Freiheit für viele Frauen besteht, vielleicht nur einem Beruf nachzugehen oder Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen oder auch den Vater eventueller Kinder die Arbeit im Haus übernehmen zu lassen.
Natürlich kann man anprangern, dass es noch immer ein Missstand ist, dass die Verbindung von Beruf und Familie ein „Frauenthema“ ist und dass viele Väter noch immer fraglos davon ausgehen, dass sie in ihrer Karriere uneingeschränkt bleiben werden; man sollte aber in diesem Zusammenhang ebenso Kritik an der Einstellung auf den Plan rufen, dass die Arbeit als Mutter im Gegensatz zu „echter“ Arbeit etwas für leicht verdummte Heimchen ist.
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