Papa werden
23. August, 2007 von Moderator
Die Vaterrolle
Die Schwangerschaft ist sicherlich der Vorgang, der eine Frau zur Mutter macht, und die Geburt ist das Ritual, welches diesen Zyklus abschließt. Wie aber wird ein Mann zum Vater? Geschieht das einfach so – wird dieser Status praktisch mit dem Baby „mitgeliefert“?
Es gibt drei wichtige Dinge, die bei einer Geburt geschehen: ein Kind wird geboren, eine Frau wird zur Mutter, und ein Mann wird zum Vater. Welche Anforderungen die neue Mutterrolle für die Frau mit sich bringt, davon haben wir alle relativ explizite Vorstellungen, ganz gleich, ob wir diese bejahen oder ihnen abgeneigt gebenüberstehen; bei der Rolle des Vaters wiederum verhält sich die Sachlage etwas anders. Was ein Vater zu leisten hat und welchen Einfluss seine Rolle auf sein zukünftiges Selbstbild nimmt ist im Vergleich dazu relativ undefiniert.
Wie kann man sich dieses Missverhältnis erklären? Schließlich ist es doch in unserer Kultur schon lange üblich, die Versorgung eines Kindes seinem Vater und seiner Mutter zuzuweisen, und auch wenn die Mutter die Aufgaben der Pflege in der Vergangenheit weitaus häufiger und ausführlicher übernommen hat, müsste das ja eigentlich nicht heißen, dass die Position des Vaters demgegenüber pflichtfrei bleibt.
Natürlich, ohne Pflichten ist ein Vater in Wirklichkeit natürlich nicht. Die heutige Einstellung der meisten Menschen zu diesem Thema besagt, dass er entweder durch seine Arbeitskraft die finanzielle Versorgung der Familie übernehmen sollte oder dass er, falls er dies nicht kann und nicht möchte, ebenso Arbeiten im Haushalt oder bei der Pflege und Erziehung der Kinder übernehmen sollte wie seine Partnerin auch.
Doch obwohl dies dem allgemeinen Gerechtigkeitsempfinden entspricht, sieht die Praxis anders aus. Viele – auch junge – Männer fühlen sich auch im Falle der Arbeitslosigkeit nicht unbedingt berufen, ihren Frauen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu helfen (und wenn, dann oft nur in geringem Maße). Andere vertreten die Ansicht, dass sie – weil sie ja tagsüber arbeiten – abends ein uneingeschränktes Recht auf Erholung haben, ganz gleich, ob ihre Frau sich schon erholen kann oder nicht.
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