Patchwork-Familie
17. August, 2007 von Moderator
Die Patchwork-Familie
Da sich die Familie momentan an einem Wendepunkt befindet, ist ihre Zukunft dementsprechend unklar. Die klassische Familie, die für uns aus Eltern und ungefähr ein bis drei Kindern besteht, hat durch die hohe Scheidungsrate nicht mehr viel Zukunft, da die beiden Eltern bald typischerweise noch jeweils ein bis drei Kinder aus erster Ehe mitbringen werden. Was daraus entsteht, ist die sogenannte Patchwork-Familie, in der Werte und Normen neu reguliert werden müssen.
Der Zusammenhalt der Familie kann bei einem solchen Modell gar keine so wichtige Rolle mehr einnehmen wie bei der klassischen Familie, weil es innere Hierarchien und Abstufungen gibt, die die Eltern mit ungeahnten Problemen konfrontieren.
So mögen in einer Familie drei Kinder leben, wobei zwei Kinder aus der ersten Ehe der Frau sind und eines aus der aktuellen Verbindung. Zwei der Kinder haben nun weitaus weniger Kontakt zu ihrem leiblichen Vater, kennen dafür aber zwei Vaterfiguren; eventuelle Kinder des Mannes aus erster Ehe leben vielleicht noch bei ihrer Mutter, die alleinstehend sein mag.
Diese haben dann nicht zwei, sondern praktisch nur eine „halbe“ Vaterfigur, da es der Mann überhaupt nicht schaffen kann, beiden Familien den gleichen intensiven Kontakt zu widmen.Es sind meist die Vaterfiguren, die durch eine Patchwork-Familie verwischt werden, da die Kinder im Normalfall bei der Mutter bleiben. Unangenehmer wird die Lage noch, wenn auch noch die Mutter in diese Zersetzung mit hereingezogen wird, wenn also beispielsweise eine der Mütter aus unserem obigen Beispiel berufstätig wäre.
Dann würden die Kinder des Mannes aus erster Ehe eventuell unter der Obhut seiner zweiten Frau aufwachsen, was bei allen guten Vorsätzen nur zu schweren Problemen führen kann. Auch wenn es heutzutage Konsens ist, dass man auch bei solchen Fragen die Frauen nicht „benachteiligen“ darf, besteht doch andererseits bei vielen Menschen auch die Ansicht, dass die Mutter für die Kinder die wichtigste Bezugsperson ist. Überhaupt erscheint die Bezeichnung „benachteiligt“ in diesem Zusammenhang beinahe unangemessen – auch wenn klar ist, dass eine vorgegebene Rolle nicht für jede Frau attraktiv ist, erscheint dieser Begriff in unserer Situation recht deplatziert.
Wie lebt man nun in solch einer Patchwork-Familie? Eine übliche Variante ist das tageweise Übernachten bei dem Elternteil, der nicht die Hauptfürsorge übernimmt. Dies gelingt allerdings nur in den Fällen, in denen die geschiedenen Eltern sich noch so weit verstehen, dass sie solche Abmachungen überhaupt aushandeln können – oft ist dies leider nicht mehr der Fall. Gelingt es, eine solche Vereinbarung zu finden und sie aufrecht zu erhalten, so stellt sie in der entsprechenden Situation für die Kinder sicher die beste Lösung dar. Sie haben beide leiblichen Elternteile als Bezugspersonen und müssen sich „nur“ damit auseinandersetzen, dass sich die Eltern eben nicht mehr so gut verstehen wie andere Eltern.
Häufig ist es allerdings auch der Fall, dass Streitigkeiten zwischen den geschiedenen Eltern die Abmachung und Einhaltung von solchen Vereinbarungen zu einem echten Kunststück machen. Beide sind vielleicht bereit, jeden Fehler des anderen sofort als persönlichen Anriff zu deuten, so dass ein dauerhafter und für die Kinder produktiver Kontakt nicht aufrecht erhalten werden kann.
Im Normalfall kommt es unter diesen Umständen dazu, dass die Person, der das Sorgerecht nicht zugesprochen wird, die Kinder nur noch seltener (oder eventuell gar nicht) zu sehen bekommt. Natürlich sollte man nach Möglichkeit vermeiden, es soweit kommen zu lassen, da mangelnder Kontakt mit einem leiblichen Elternteil für die Kinder normalerweise nicht erstrebenswert ist.
Doch auch außerhalb der Beziehungen zwischen leiblichen Eltern und Kindern gibt es in einer solchen Patchwork-Familie viel Klärungsbedarf. Wie gehen die Erwachsenen mit den Kindern um, die nicht ihre eigenen sind? Und welche Regeln gelten für die Kinder untereinander?Schließlich kann es eventuell vorkommen, dass Kinder mit nur einem leiblichen Elternteil und einem weiteren Erwachsenen zusammen leben. Sie müssen mit der Situation fertig werden, Mutter oder Vater seltener zu sehen als den neuen Partner des Elternteils, bei dem sie leben, und sich mit den schwierigen Gefühlen, die eine solche Situation hervorruft, auseinander setzen.
Die Variationen in heutigen Patchwork-Familien sind groß, und man kann sich die Probleme ausmalen, die durch dieses Konzept leicht entstehen können. Politisch gesehen besteht die Notwendigkeit, eventuell offene Fragen zu diesem Thema auf eine Art und Weise zu klären, die die Tatsache berücksichtigt, dass solche Familien immer verbreiteter werden.
Sicherlich gehört eine Patchwork-Familie nicht zu den ersten Erfahrungen, die junge Eltern machen, doch ist sie auf jeden Fall eine einschneidende, die auch ein gewisses politisches Interesse am jeweiligen Thema hervorruft.
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Verfasst in Eine Familie werden , Die Familie am 17. August 2007
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