Richtig Stillen

Tipps und Erfahrungen zum Thema stillen

Viele Frauen sind unsicher, wie oft am Tag ihr Kind trinken soll. Üblicherweise sagt man, dass Säuglinge ungefähr alle vier Stunden zur Nahrungsaufnahme bereit sind und auch in der Nacht erwachen, wenn sie nach dieser Schlafphase Hunger haben. Allerdings kann man diesen Wert nicht zur Regel machen; es kommt nach einem Wachstumsschub oft vor, dass Kinder öfter trinken, und an einem verschlafenen Tag auch, dass sie es seltener tun.Die Schwierigkeit, die aus diesen nicht eindeutigen Angaben entsteht, ist die Unsicherheit, ob man ein Kind aus dem Schlaf wecken sollte, wenn es Zeit zum Stillen ist.

Normalerweise liegt man sicher nicht falsch damit, den Hunger des Säuglings den Rhythmus bestimmen zu lassen, sich also über eine halbe Stunde, die das Kind einmal länger schläft, keine Gedanken zu machen. Auch eine Schlafphase von fünf Stunden kann durchaus vorkommen, wenn das Kind bei der letzten Mahlzeit gut gesättigt wurde. Man kann sich einigermaßen darauf verlassen, dass ein Säugling aufwachen wird, wenn er Hunger hat. Erst wenn die vier Stunden deutlich überschritten sind (und das Kind als mehr als fünf Stunden keine Nahrung mehr aufgenommen hat) sollte man in Erwägung ziehen, es zu wecken.

Die medizinische Maßgabe von vier Stunden ist zwar ein Erfahrungs-, aber auch ein Durchschnittswert. Aus ihrer Erfahrung als Erwachsener wissen sie sicherlich, dass man nicht immer in gleichen Intervallen Hunger hat und dass es verschiedenen Gründe geben kann, aus denen der Hunger auch einmal länger ausbleibt.


 



Keine Gedanken hingegen braucht man sich zu machen, wenn das Kind einige Male nach weniger als vier Stunden bereits wieder Hunger hat. In diesen Fällen sollte die Mutter das Kind auf jeden Fall anlegen und seinen Hunger stillen; ihr Körper wird sich dann darauf einstellen, dass das Nahrungsbedürfnis des Säuglings erhöht ist und innerhalb von einigen Mahlzeiten die Nahrungsmenge erhöhen, so dass sie die Häufigkeit des Stillens wohl bald wieder normalisiert hat.

Eine wichtige Voraussetzung für das Stillen ist eine bequeme Sitzposition der Mutter. Wenn eine Frau im Sitzen stillt, braucht sie im Rücken und unter dem Arm Unterstützung, damit die Position für sie nicht nach einer Weile (oder nach wiederholtem Stillen) unbequem wird. Viele Frauen empfinden es auch als angenehm, die Füße etwas höher zu stellen. In der Zeit kurz nach der Geburt empfiehlt es sich, den eventuell noch verletzten Damm mit einem untergelegten Kissen zu polstern, damit das Sitzen nicht zu unangenehm wird.

Für eine angenehme Stillerfahrung von Seiten der Mutter ist es wichtig, dass sie die richtige Technik beherrscht. Wie bereits erwähnt ist Stillen für die Mutter in unserer westlichen Kultur eine weitaus weniger instinktive Fähigkeit als für den Säugling. Der Mensch ist ohnehin als Lebewesen mit „Mangelinstinkten“ bekannt, und gerade in unserer Kultur leben wir noch einmal besonders weit von unseren ureigenen Empfindungen entfernt. Daher ist es überhaupt kein Wunder, dass Stillen wie viele andere Tätigkeiten ebenfalls erlernt werden muss, da die Frauen in unserer Kultur eben kein überliefertes Stillwissen haben.


 



Wichtig ist vor allem die richtige Position, in der man das Kind anlegt. Dabei sollte die Mutter ihr Kind so in den Arm nehmen, dass es den Kopf nicht zur Seite drehen muss. Stattdessen sollte die bevorzugte Position zu einer Lage „Bauch an Bauch“ zwischen Mutter und Kind führen; das Kind ist also bäuchlings an die Mutter gedrückt und kann so sehr einfach trinken. Wenn nun die Brustwarze den Mundwinkel oder die Wangen des Kindes berührt, so wird es instinktiv zuschnappen und zu trinken beginnen; hierbei gilt es nur darauf zu achten, dass nicht nur die Brustwarze, sondern auch ein Teil des Warzenhofs in den Mund des Kindes gelangt.

Nur wenn das Kind den Mund „voll“ hat, kann es ungestört trinken. Wenn das „Ansaugen“ erfolgreich war, kann man bald beobachten, dass das Kind regelmäßig schluckt. Säuglinge können übrigens mühelos beim Trinken atmen; hier besteht kein Grund zur Sorge.
Mit der Dauer des Stillvorgangs kann man es im Grunde genommen ebenso halten – man sollte hier keine feste Maßgabe nehmen und das Kind mit der Stoppuhr begutachten, sondern ihm vielmehr freie Hand lassen, über die Dauer des Stillvorgangs selbst zu entscheiden.Der Appetit eines Säuglings ist nicht immer gleich, und auch seine Müdigkeit nimmt eventuell Einfluss auf die Dauer des Trinkvorgangs, da es nicht ungewöhnlich ist, dass Kinder während des Stillens in der Anfangszeit einschlafen.

In diesem Fall kann man das Kind von der Brust lösen, indem man einen Finger seitlich in den Mund schiebt und so den Unterdruck löst. Die einzige Kontrolle, die sie beim Stillen ausüben sollten, bezieht sich darauf, dass das Kind regelmäßig an beiden Brüsten trinken sollte; erst, wenn sie sicher sind, dass der Hunger immer für beide ausreicht, sollten sie den Säugling so lange an der ersten Brust lassen wie er will (vorausgesetzt, dass er überhaupt manchmal in einer Brust etwas übrig lässt – ansonsten erübrigt sich die Kontrolle natürlich).


 



Für die Mutter ist es empfehlenswert, die Reihenfolge der Brüste regelmäßig zu variieren, also stets die Brust zuerst zu geben, die beim letzten Mal nicht die erste war. Da die meisten Kinder an der zweiten Brust weniger stark saugen wird der Stillvorgang für die Mutter so angenehmer.

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