Rollenverteilung Mann Frau
17. August, 2007 von Moderator
Der „indianische“ Weg
Die Literatur, die sich mit den Geschlechterrollen beschäftigt ist heute zahllos, und auch wenn nicht alles, was geschrieben wird, unbedingt wertvoll sein muss gibt es doch einige Erkenntnisse, die einem jungen Vater bei der Erfüllung seiner Rolle und einem glücklichen Umgang mit sich selbst sicher eine Hilfe sein können.
Eine Regel stammt von einem Deutschen, der lange Zeit seines Lebens in der Lehre bei einem indianischen Schamanen verbracht hat. Ein altes indianisches Sprichwort besagt: „Urteile nie über einen Menschen, ehe du nicht fünfzig Schritte in seinen Schuhen gemacht hast.“
Die Erkenntnis dieses Mannes ist – bezogen auf dieses Sprichwort – ganz einfach: man sollte versuchen, einmal fünfzig Schritte in den Schuhen einer Frau zu machen, um zu erfahren, in welcher Situation sie sich befindet. Viele Männer neigen vorschnell dazu, die Gefühle ihrer Frauen als deplatziert abzutun und weisen ihre Bitten um Gespräche dementsprechend ab, auch wenn es Probleme gibt, die sie eventuell mitbetreffen könnten.
Gerade im Falle einer Schwangerschaft der Partnerin oder kurz nach der Geburt eines gemeinsamen Kindes versuchen viele Männer natürlich „Verständnis für ihre Partnerin zu haben“. Diese Phrase, die man in beinahe jedem Beziehungsratgeber, in jeder Elternzeitung und auch vielen anderen verwandten Literaturgattungen finden kann wird jedoch beinahe nie wirklich verstanden.
„Verständnis haben“ scheint oft als ein Synonym für „geduldig zuhören“ verwendet zu werden. Dabei impliziert dieser Ausdruck doch eigentlich etwas ganz anderes – immerhin bedeutet Verständnis ja eigentlich, dass man den anderen versteht.
Dies ist eigentlich der Kernpunkt dieses „indianischen Weges“. Um dieses Verständnis allerdings zu erlangen ist ein wenig schonungslose Selbstehrlichkeit erforderlich.
Vielleicht kann man die Frau, die sich darüber beschwert, dass ihr Leben nur noch aus Schnullern und Windeln besteht, seit sie Mutter geworden ist, besser verstehen, wenn man sich einmal vorstellt, ihren Tagesablauf selbst zu übernehmen. Vielleicht kann man sich auch vorstellen, dass es keine schöne Erfahrung ist, wenn man vom Partner abends gesagt bekommt, dass er den ganzen Tag über gearbeitet hat und daher seine Ruhe will – wenn man ihn um Hilfe mit den Kindern oder im Haushalt bittet.
Vielleicht kann man eigentlich auch verstehen, dass auch berufstätige Frauen keine Lust haben, in einer durchschnittlichen Familie noch immer den Löwenanteil der Hausarbeit zu übernehmen – auch wenn es arbeitszeitmäßig dafür keine Begründung gibt.
Männer sind oft auf einem Auge blind, nämlich dem ihrer eigenen Gefühle.
Das „indianische“ Konzept der Verständnisses geht einen einfachen Weg – es will dafür sorgen, dass sich die Partner der diffizilen Anforderungen, denen ihr Gegenüber gerecht werden will oder muss irgendwie bewusst werden, damit sie respektvoller miteinander umgehen können.
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