Vater sein
16. September, 2007 von Moderator
Vatertyp 1: Der neue Vater
Bei diesem Vater handelt es sich um ein wahres Prachtexemplar unter den Vätern; einen kapitalen Vollvater, der scheinbar sein Leben lang nur auf die Gelegenheit gewartet hat, sein Können und sein Engagement in diesem großen Arbeitsfeld unter Beweis zu stellen.Der neue Vater hat üblicherweise schon vor langer Zeit einige Elternzeitungen gelesen, um sich fortzubilden, und er hat dieses Interesse während der zunehmenden Schwangerschaft nur noch intensiviert. Er kennt die verschiedenen Geburtsstellungen und –gerätschaften aus dem Effeff und beherrscht die Atemtechnik besser als seine Frau – manchmal wird er sich auch in der Art eines Tennislehrers ins Zeug legen, um ihr die Technik auf eine besondere Art und Weise nahe zu bringen.
Wenn seine Partnerin Fragen in Bezug auf die Schwangerschaft oder die Geburt hat, findet sie in ihm einen kompetenten und stets bereiten Gesprächspartner.Üblicherweise haben Männer, die später den Typus des „neuen Vaters“ verkörpern werden schon vor der Schwangerschaft oft verkündet, dass sie Frauen für die besseren Menschen halten – allerdings nicht mit der zigarrenschweren Aura eines unverbesserlichen Sünders, der sich wundert, was an ihm wohl so liebenswert ist, sondern vielmehr aus der Position eines Büßers heraus.
Es ist eine der Eigenarten des neuen Vaters, sich für die Vergehen des Patriarchats in den letzten Jahrtausenden schuldig zu fühlen und diese Schuldigkeit auch mit Eifer zu präsentieren.Nun, als seine Frau schwanger ist, findet sich dieser Vater mit einer noch schwierigeren Situation konfrontiert: seine Frau ist nicht nur der bessere Mensch, sondern sie bekommt nun auch noch ein Kind – eine Leistung, die ihn ob seiner Erbsünde als Mann beinahe nur noch kleiner erscheinen lässt.Je nach persönlicher Mentalität präsentiert sich der neue Vater nun als williger Helfer oder als Büßer mit leicht gekränktem Stolz – tut doch diese neuerliche Veränderung seinem gebeutelten Ego weiterhin nicht gerade gut.
Nach der Geburt wird der neue Vater gerne bereit sein, Erziehungsurlaub zu nehmen, um sich ganz um sein Kind zu kümmern. Dabei macht es ihm nicht nur nichts aus, dass seine Frau die Alleinverdienerin ist, in der Tat findet er diesen Gedanken sogar irgendwie angenehm. Der neue Vater stellt sich sein Leben als Hausmann und Vater ruhig, angenehm und vor allem romantisch vor und legt kaum wert darauf, vorschnell wieder ins Berufsleben einzutreten.In Erziehungsfragen ist er verständnisvoll und überlegt; vor allem aber orientiert er sich stets an den neusten Erziehungsstandards.
Er tauscht seine „Eltern“ nur dann einmal gegen den „Spiegel“ aus, wenn es etwas über Erziehung in diesem Magazin zu lesen gibt.
Der neue Vater ist ein idealer Partner für die Karrieremutter, während die treusorgende Mutter womöglich in einen Wettstreit mit ihm eintreten wird. Unnötig zu erwähnen, dass der neue Vater keinerlei Leidenschaften für die „typisch männlichen“ Dinge kennt. Er fährt einen Kleinwagen, schaut im Fernsehen lieber Talkshows oder Lebensberatung als Fußball und findet sich außerdem eventuell zu dick – auch wenn Äußerlichkeiten ja ohnehin nicht so wichtig sind („Es zählen ja die inneren Werte.“)
- Zitat (mit einem Fläschchen in der Hand): „Ich habe keine Zeit, ich muss mein Kind stillen.“
1 Kommentar zu “Vater sein”
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Ich denke weniger, dass Männer ihr Engagement aus einem Schuldgefühl heraus betreiben. Ich glaube eher dass sie mit ihrer Frau die Freude an dem ungeborenen Teilen und aus Liebe heraus versuchen sie so gut es geht zu unterstützen. Sicher ist da manchmal auch ein wenig Übereifer dabei, aber was solls.